Mi

28

Jul

2010

socialNC – Das Interview

Seit fast einem Jahr schreibe ich über Existenzgründer, Startups und Unternehmen. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich noch kein Geschäftskonzept dabei, welches sich mit der Sozialwirtschaft auseinander gesetzt hat. Das Netzwerk für professionelles, soziales Engagement socialNC soll das heute ändern. Mein Gesprächspartner und Gründer Andreas Oesinghaus wird in diesem Interview Rede und Antwort stehen. Wird erläutern warum sozial und social zusammen passen und überhaupt, was ihn mit dieser Zielgruppe verbindet.

 

RostockStartUps: Hallo, soziales Engagement fängt sicherlich bei jedem selbst an. Wer solch eine Plattform auf die Beine stellt, hat bestimmt in diesem Bereich seine berufliche Vergangenheit. War das auch bei Ihnen so?

 

Andreas Oesinghaus: Ja, das trifft bei mir so zu. Ich habe 1983 eine Erzieherausbildung abgeschlossen. Es folgte eine 15 jährige Tätigkeit im Öffentlichen Dienst in Berlin, wovon ich acht Jahre als Kita-Leiter gearbeitet habe. 1998 verließ ich dann den Öffentlichen Dienst, um mich beruflich weiterentwickeln und endlich wieder kreativ arbeiten zu können. Ich gönnte mir ein Jahr Auszeit, die ich aktiv nutzte um neue Berufsfelder zu erkunden. So arbeitete ich auch für einige Monate im Finanzbereich, stellte aber fest, dass ich nun mal ein "Sozialfuzzy" bin, der Leute nicht "übers Ohr hauen" kann und so orientierte ich mich wieder auf den sozialen Bereich.

Von 1999 bis 2005 arbeitete ich in der Jugendsozialarbeit in Berlin-Wedding, davon drei Jahre als Leiter einer stationären Einrichtung für delinquente Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahren. Seit November 2005 arbeite ich beim Stadtteilzentrum Steglitz e.V.. Zuerst als Projektleiter eines Hortes an einer Grundschule und seit 2007 bin ich Arbeitsbereichsleiter für schulbezogene Kinder- und Jugendarbeit beim Stadtteilzentrum Steglitz e.V. Im Zeitraum von 2007-2009 habe ich mich erfolgreich zum Systemischen Berater weitergebildet.

 

RostockStartUps: Die meisten Geschäftskonzepte fallen Gründern bei ihrer täglichen Arbeit/bei ihrem "alten" Job ein. Wie verhielt es sich hier? Wie entstand socialNC?

 

Andreas Oesinghaus: Im Frühjahr 2007 entstand mit meinem Freund Thomas Mampel (Geschäftsführer des Stadtteilzentrum Steglitz e.V.) und mir die Idee eine eigene soziale Internetplattform zu gründen.

 

Wir stellten fest, dass es für den sozialen Bereich keine spezialisierte Community im WWW gibt. Thomas Mampel und ich glaubten fest daran, dass unsere Idee eine Zukunft hat und so machten wir uns auf den Weg die notwendigen Schritte zu gehen (Prüfung USP, Konkurrenzanalysen, Konzepte schreiben usw.) Im September 2008 ging socialNC dann online – ein fantastisches Gefühl.

 

RostockStartUps: Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Was ist nun der Geschäftszweck von socialNC?

 

Andreas Oesinghaus: Unsere Mission ist es, Menschen aus allen Bereichen der Sozialen Arbeit dabei zu unterstützen, gemeinsam Projekte und Vorhaben zu diskutieren, zu planen und zu realisieren. Wir glauben, dass die Welt durch Kooperation und gegenseitiges Vertrauen verändert werden kann. socialNC soll den im Non-Profit-Bereich tätigen Menschen als Werkzeug dienen, die Welt gerechter und sozialer zu gestalten.

 

Ziel dieser Internetplattform ist es, Menschen, die im sozialen Bereich tätig sind und Kunden die diese Dienstleistungen nutzen, eine unkomplizierte Möglichkeit der Kooperation und Vernetzung zu bieten.

 

Die Mitglieder legen ein öffentliches Profil an und ergänzen dieses, in dem sie ihre fachlichen Schwerpunkte und Interessen eintragen. Sie treten mit anderen Teilnehmern in Kontakt, gründen (Fach-) Gruppen, werben für Veranstaltungen und laden andere Mitglieder zu diesen Terminen ein und legen so den Grundstein für Kooperationen auf lokaler und nationaler Ebene.

 

Seit Anfang 2009 ist socialNC auch durchgängig in englischer Sprache nutzbar. Dieses war uns wichtig, da auch internationale Kooperationen über die Plattform unterstützt, begleitet und gefördert werden sollen.

 

Schon jetzt wird deutlich: socialNC ist auf einem guten Weg. Mehrere hundert Mitglieder aus allen Teilen Deutschlands, aus Österreich und der Schweiz nutzen die Plattform für ihren fachlichen Austausch und für die Anbahnung von Kooperationsbeziehungen. Tendenz steigend. Jeden Tag registrieren sich neue Mitglieder. Projekte aus allen Teilen der Republik nutzen die Möglichkeit, sich und ihre Arbeit vorzustellen, erste so genannte "Partner-Profile" von gemeinnützigen bzw. sozial-karitativen Einrichtungen sind "online".

 

RostockStartUps: Warum haben Sie sich gerade für den sozialen Bereich entschieden?

 

Andreas Oesinghaus: Weil Thomas Mampel und ich das können. Dieses ist nicht überheblich gemeint. Wir sind beide in diesem Bereich "groß" geworden und haben hier unsere Stärken und immer wieder neue Ideen. Weiterhin wollen wir dabei helfen, die soziale Arbeit weiter zu entwickeln. Hier ist das Potential unendlich groß.

 

RostockStartUps: Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Gründung nicht unbedingt reibungslos von statten geht. Wie war es bei socialNC?

 

Andreas Oesinghaus: Es gab zwei sehr wesentliche Herausforderungen: Zum einen die Finanzierung und zum anderen die Frage der Websiteentwicklung? Wir finanzierten socialNC mit lediglich 3.000,- Euro Privatkapital und stemmten damit das Startup – eine tolle Erfahrung!!!! Eine vielleicht weitere wichtige Herausforderung war es den Mut zu haben, an seine Idee zu glauben und sich von kleineren und größeren Schwierigkeiten in der Startphase nicht entmutigen zu lassen.

 

RostockStartUps: Ich hätte mit wesentlich mehr finanziellen Aufwand gerechnet. Ich denke, das "Geheimnis" wird gleich gelüftet. Gab es gewisse Herausforderungen bei der Entwicklung/ Erstellung der Plattform?

 

Andreas Oesinghaus: Entscheidend (gerade finanziell) war die Frage: Wer entwickelt die Plattform und zu welchen Konditionen kann sie betrieben werden (Technischer Support. Ausbau- und Weiterentwicklung der Plattform usw.)?

 

Wir holten uns eine Vielzahl von Informationen und Kostenvoranschlägen ein – die Summen beliefen sich in einem Spektrum zwischen 7.000 Euro bis zur 1 Million Euro (verrückt oder?) Uns war schnell klar, dieses Kapital können wir nicht aufbringen. Klar haben wir uns auch vorab über Gründerdarlehen und Co. schlau gemacht. Aber Thomas und ich wollten das nicht und irgendwie spürten wir, dass wir das auch anders hin bekommen.

 

Nun recherchierten wir weiter und dem "Herr sei es gedankt", eher zufällig stießen wir im Internet auf die Firma Vilago21, deren Geschäftsführer Otmar Baur ein großartiger Mensch ist und Unterstützer (nicht finanziell) unserer Idee wurde. Nach dem der Vertrag mit Vilago21 unterzeichnet war, bestand nun die Herausforderung darin Geld zu verdienen, um die monatlichen Kosten zu decken und um unsere Community technisch weiterentwickeln zu können. Ihr Leute die noch Gründen wollt – schaut euch die Seite von Vilago21 einmal an – es lohnt!!!!

 

RostockStartUps: Das klingt sehr spannend und ich kann mir nun auch ungefähr vorstellen, warum es nur 3.000,- Euro Entwicklungskosten waren. Wenn ich mir socialNC anschaue, finde ich Parallelen zu bestehenden Communities/Netzwerken. Worin unterscheidet sich nun socialNC von den anderen?

Andreas Oesinghaus (46) Andreas Oesinghaus (46)

Andreas Oesinghaus: Intensive Recherchen im Internet, sowie Onlineumfragen ergaben, dass es derzeitig kein vergleichbares Internetportal mit unserer Ausrichtung gab. Portale mit "zweckähnlichen" Inhalten und Funktionen liegen "brach" und werden in großer Zahl von privaten, nicht kommerziellen Usern ins Netz gestellt. Einzig der Social Business Club unterhält ein "vergleichbares" Portal. Festzustellen ist, dass diese Plattform kaum frequentiert wird und nicht die Nutzer anspricht, die unser Konzept so einzigartig macht. Keine uns bekannte Web 2.0 Plattformen hat sich der Sozialwirtschaft "verschrieben" und bietet die von uns beschriebenen Möglichkeiten und Funktionen.

 

Die Stärken unseres Portals sind:

• Bei Social Networks entstehen starke Bindungen, die den Unterschied zu anderen

Angeboten ausmachen.

• Social Networks bestehen aus starken Bindungen, die Vernetztheit ist höher und auch

die Dichte ist höher.

• Genau wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt sich die Gesellschaft nun auch im

Internet. Dieser Entwicklung folgend, spricht unsere Plattform ein spezielles, noch nicht

"erreichtes" Potential an Kunden an, die nach eingehender Befragung einen sehr hohen

Bedarf und an einer solchen Interplattform haben.

• Wir als Gründer haben fundierte Kenntnisse, eine langjährige Berufserfahrung in

diesem Bereich, sowie eine Vielzahl an geschäftlichen Kontakten.

 

RostockStartUps: Welche Marketing-Aktivitäten und -Instrumente nutzen Sie, um

socialNC bekannt zu machen und um Mitglieder zu gewinnen?

 

Andreas Oesinghaus: Wir nutzen unsere geschäftlichen Kontakte in der Sozialwirtschaft. Weiterhin nutzen wir auch große "soziale" Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. Regelmäßige Netzwerktreffen "live" in der garage berlin haben uns auch eine Vielzahl von neuen Mitgliedern und neue interessante, geschäftliche Kontakte beschert. Wichtig ist es auch regelmäßige Pressemitteilungen zu veröffentlichen und mit anderen Netzwerken zu kooperieren, z. B. mit bildungsspender.de. Zwischenzeitlich haben wir eine große Zahl von verschieden Partnern gefunden, die unsere Seite verlinken oder auch, ab und an über unsere Aktivitäten berichten.

 

In den Anfängen haben wir auch sehr viel das Instrument "Email" zur Kontaktaufnahme mit potentiellen Kunden genutzt. Hier brauchten wir Geduld und Ausdauer und viel Zeit. So konnten wir aber z. B. auch die DKMS gewinnen und dürfen nun offiziell für diese werben. So etwas spricht sich rum und bringt neue Interessenten. Auch die Zusammenarbeit mit den vielen sozialen Verbänden in Berlin und Deutschland gehört weiterhin zu unserer Marketingstrategie. Diese tun sich aber nach wie vor schwer damit, sich für neue Medien zu öffnen und die Plattform socialNC für ihre Arbeit und Mitarbeiter zu nutzen. Sehr gern würden wir auch Fernseh- und Radiowerbung nutzen. Hier fehlen uns aber die finanziellen Ressourcen. Die besten Ergebnisse erzielen wir immer noch über persönliche Kontakte. Von Mensch zu Mensch ist eben doch noch besser als digital!

 

RostockStartUps: Der Meinung bin ich auch. Wo sehen Sie socialNC in fünf Jahren?

 

Andreas Oesinghaus: Das ist eine wirklich gute Frage. socialNC entwickelt sich deutlich langsamer als wir gedacht haben. Das liegt zum einen daran, dass die soziale Branche noch mutiger werden muss in Bezug auf die Nutzung von sozialen Netzwerken. Zum anderen liegt es auch daran, dass die gemeinsame Projektentwicklung zwischen den verschiedenen Verbänden und Organisationen noch nicht gereift ist und das Konkurrenzdenken untereinander auch eine Rolle spielt. Wir glauben aber, dass socialNC in fünf Jahren eine wesentliche Rolle in diesen Bereichen einnehmen wird. Auch und gerade deshalb, weil immer neue Zielgruppen auf uns zu kommen. So zuletzt Interessenten von Hochschulen, die unser Netzwerk publizieren möchten, um den Studierenden die Möglichkeiten sozialer Netzwerkarbeit frühzeitig aufzuzeigen. socialNC ist eben anders als viele "Fun-Netzwerke" – wir haben die Ausdauer, das Können und die Geduld dieses zu beweisen.

 

RostockStartUps: Kommen wir zur letzten Frage. Welche Tipps für Gründer, speziell für "Internet-Gründer" können Sie an unsere Leser weitergeben?

 

Andreas Oesinghaus: Nehmen Sie sich in der Gründungsphase viel Zeit, gerade in Bezug auf Marktanalyse, Konkurrenzanalyse, Alleinstellungsmerkmal usw. Was gibt es im Internet denn noch nicht? Befragen Sie willkürlich 104 Leute und stellen Sie in 30 Sekunden Ihre Geschäftsidee vor (Konzept aus der garage berlin). Hier können Sie schon erkennen, ob Ihre Idee Zukunft hat. Wenn Sie Ihr Geschäft mit Partnern gründen wollen, legen Sie vorab genau fest, wer welchen Aufgabenbereich hat und welche Entscheidungen die Personen treffen dürfen. Seien Sie kreativ, think positiv. Haben Sie Mut, den werden Sie benötigen, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Nutzen Sie Ihre Stärken und Ressourcen. Gehen Sie auf andere Unternehmer zu und fragen diese, wie sie es gemacht haben? Lesen Sie vielleicht auch mal einige Bücher von Larry Winget. Das ist einfach entspannend, gerade in Stressphasen.

 

RostockStartUps: Ich sage danke für das sehr ausführliche Interview. Wünsche Ihnen alles Gute und noch viele, viele Nutzer auf socialNC.

 

Andreas Oesinghaus: Ich bedanke mich, dass Sie die "socialNC-Story" hier auf rostock-startups Ihren Lesern zur Verfügung stellen.

 

 

 

Bildquelle: socialNC

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