Di

27

Jul

2010

Buchvorstellung: FREE – Kostenlos

Das Buch ist zwar schon seit fast einem Jahr auf dem Markt zu haben, hat aber an Bedeutung und Aktualität keinesfalls eingebüßt. Startups/Existenzgründer investieren viel Zeit, um ihre (Internet-)Geschäftsidee gewinnbringend zu vermarkten. Da stellt sich oft die Frage: Wie bekomme ich User auf meine Seite? Biete ich alles umsonst an oder verlange ich einen Obolus für meine Dienstleistung? Um die richtige Entscheidung treffen zu können, sollte man sich mit den Vor- und Nachteilen für kostenlose und kostenpflichtige Angebote auseinandersetzen.

 

Einen guten Einstieg dafür bietet das Buch Free/Kostenlos – Geschäftsmodelle für die Herausforderung des Internets von Chris Anderson. Der Journalist und Chefredakteur des Wired hatte bereits mit dem Buch "The Long Tail" für genug Gesprächsstoff gesorgt. Mit dem neuen Buch hat er sich mit seiner Ansicht von Free wahrscheinlich in gewissen Kreisen keine Freunde gemacht. Denn folgende Aussagen, wie von John Schwartz, New York Times, versucht Anderson mit seinen Argumenten zu relativieren: "FREE ist nicht mehr das, was es einmal war. Das gilt vor allem für das Internet, dessen ureigenste Geschichte und Technologie auf der Annahme beruhen, dass Informationen, aber auch alles andere, was über das Internet angeboten wird, nichts kosten sollte. Doch wir zahlen einen stolzen Preis für die kostenlosen Werbegeschenke aus dem Internet: Computerabstürze, Frustration, Verlust von Privatsphäre und Sicherheit – ganz zu schweigen davon, dass einem der Staatsanwalt im Nacken sitzt, wenn man sich in großem Stil Musik aus dem Netz herunter lädt."

Solchen und anderen "Vorwürfen" nimmt Anderson geschickt den Wind aus den Segeln. Seiner Auffassung nach sollten Unternehmer ihre Produkte verschenken. Denn: "Vieles im Internet gibt es umsonst – Online-Video-Spiele, Gratis-Downloads, kostenlose Visitenkarten und so weiter. Dies verändert die Mentalität der Konsumenten. Warum zahlen, wenn man Produkte auch umsonst kriegen kann. Unternehmen können von dieser Mentalität profitieren, indem sie die kostenlosen Artikel einsetzen, um ihre Produkte zu verkaufen. So machen sie auch sich aufmerksam und werben neue Kunden. FREE funktioniert letztlich als ideales Marketinginstrument."

 

FAZIT: Ein lesenswertes Buch, deren Inhalt Kennern nicht unbedingt neu ist, aber aufgrund der Kompaktheit zum Anregen nachdenken sollte. Je nach dem, welches "Lager" man befragt, man erhält dann immer die richtige Antwort. Und wie so oft, schweifen Autoren gerne vom Hauptthema ab, um Randbereiche mit einzubeziehen. Dem einen mag es gefallen, mir ist es an einigen Stellen zu langatmig.

 

Der Inhalt erinnert mich sehr stark an das Buch von Jeff Jarvis "Was würde Google tun". Im Endeffekt geht es auch bei FREE im Netz vorwiegend um nichts anderes, als an irgendeiner Stelle doch noch für die eingesetzte Mühe belohnt zu werden.

 

Etwas stört mich besonders an dem Buch. Anderson hat "weite Strecken seines Buches unter anderem aus der Wikipedia übernommen" und rät Unternehmern zum Verschenken ihrer Produkte, um an anderer Stelle dennoch Umsatz zu generieren. Und er selber? Handelt er auch so konsequent? Sein Buch wurde mit Veröffentlichung auch als Hörbuch in englischer Sprache kostenlos angeboten. Schon mal nicht schlecht. Aber das Buch gab es halt nicht als kostenloses eBook. Für knapp 40 Euro aber schon. Somit fehlt es mir an Authentizität und es bleibt ein kleiner bitterer Beigeschmack.

 

 

 

Text- und Bildquelle: FREE - Kostenlos

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