Mo

21

Jun

2010

Business Etikette - Polen

Was wäre die Welt ohne die ganzen Höflichkeitsfloskeln. Und hierbei ist es völlig uninteressant ob Existenzgründer oder gestandener Unternehmer. Entscheidend sind einfach gute Sitten (ein sehr dehnbarer Begriff), länderspezifische Geflogenheiten, Beachtung von Rangfolgen, Rituale und manchmal auch ein bisschen „Schmiermittel“. Unser globales Handeln stellt uns vor gewisse Herausforderungen im geschäftlichen Umgang miteinander.

 

Nehmen wir mal unser östliches Nachbarland Polen. Wann tauscht man dort bei Verhandlungen Visitenkarten aus? Genau, nach dem eigentlichen Gespräch und dann auch eher diskret und schon gar nicht am Verhandlungstisch. Bei uns Deutschen gibt es da keine wirkliche feste Regel. Es wäre also nicht verkehrt, sich im Vorfeld zu informieren. Vorausgesetzt, man hat dort zu tun. Wenn ja, nie mit leeren Händen in das erste Gespräch oder die erste Einladung gehen.

 

Achtet auch darauf, was auf der Visitenkarte steht. Wie wäre es mit z. B. Key Account Manager Eastern Europe? Das geht dann voll nach hinten los, weil sich dort keiner als Osteuropäer sieht, eher als Zentral- oder Mitteleuropäer.

Wenn Ihr dann einem neuen Geschäftspartner gegenüber steht, so sagt die Statistik, benötigt man nur eine Minute, um ihn zu erkennen und eine Stunde um ihn einschätzen zu können. Und abhängig von dieser einen Minute bzw. einen Stunde entfallen ganze 55 % auf die Körpersprache (Körperhaltung, Gestik, Augenkontakt, Kleidung, Geruch & Statussymbole), 38 % auf die Stimme & Sprache und nur 7 % auf den Inhalt. Was soll das denn? Da drückt man nun die Schulbank, geht studieren, besucht globale Firmenschulungen, um in dem entscheidenden Moment mit fachlicher Kompetenz zu glänzen und was ist? Ein durchschnittlicher, aber frisch geduschter Schauspieler mit Armani Anzug, Rolex und SL, der kurz vorher den Firmen Flyer gelesen hat schnappt uns das Geschäft vor der Nase weg.

 

Okay, ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Gewisse Umgangsformen kann man nicht lernen. Entweder man hat es oder eben nicht. Dazu gehören Respekt und Wertschätzung und vor allem die Art, wie man es rüber bringt.

 

Wenn Ihr z. B. zum Essen von polnischen Geschäftspartnern eingeladen werdet, braucht Ihr Euch nicht wirklich zu sorgen. Die Polen sind sehr gastfreundlich. Hüben wie drüben punktet man mit guten und kultivierten Tischsitten. Allerdings gibt es zu beachten, dass in Polen ein hoher Alkoholkonsum normal ist. Da dort eigentlich nur Männer mit Männern saufen, ich meine natürlich trinken, sollte die Businessfrau einen Mann aus dem eigenen Unternehmen für diese Art des Geschäftsessens mitnehmen. Es geht nicht darum mitzuhalten, sondern durchzuhalten, jedenfalls nicht ablehnen. Und auch, wenn es ein tolles Geschäftsessen (der Einladende bezahlt) und/oder Geschäftsabschluss war, Großzügigkeit wird dort oft mit – sorry – Großkotzigkeit abgestraft.

 

Vergessen sollte man nie den Namenstag seines polnischen (stark katholisch) Geschäftspartners. Schon gar nicht, wenn man mit ihm auf die Brüderschaft angestoßen hat. Und wer als Deutscher nicht gerne Fisch isst, sollte an einem Freitag nicht mit seinen polnischen Geschäftspartnern essen gehen. Apropos Essen. Mittag (12 bis 13 Uhr) ist dort nicht üblich. Ich dachte schon, bei den Spaniern gibt es das eigentliche Mittagessen ziemlich spät (14 bis 16 Uhr). Die Polen sind da noch einen Zacken schärfer. Mittag gibt es erst zwischen 16 und 18 Uhr.

 

Frauen (bitte eher konservative Kleidung, dennoch elegant tragen) werden immer noch gerne mit angedeuteten Handkuss begrüßt, weil der Verhaltenskodex der Polen vom alten Landadel geprägt ist. Die korrekte Anrede wird dort sehr ernst genommen, wie z. B. Herr Diplomingenieur XY. Ich glaube, so redet in Deutschland keiner, oder? Höflich, aber gewöhnungsbedürftig. Ach so, und natürlich kleine Witze über polnische Autodiebe.

 

Kurz um: Wer die Regeln kennt und beherrscht, hat definitiv mehr Erfolg und vermeidet unnötige Missverstände oder sogar Konflikte. Denn heutzutage bestimmen nicht nur Achtung vor dem Mitmenschen, sondern auch Natürlichkeit das Handeln.

 

 

 

Bildquelle: Graudenz, Karlheinz: Das Buch der Etikette

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4 Kommentare

  • #1

    Grit Gehlen (Dienstag, 13 Juli 2010 23:47)

    Hallo Falk.
    Super Tipps, locker weggeschrieben und leicht zu merken (hoffe ich für mich jedenfalls)!
    Gruß Grit

  • #2

    Falk Mahlendorf (Mittwoch, 14 Juli 2010 00:11)

    Hallo Grit,
    danke für Dein Lob. Vorallem weil es von Dir kommt, fühle ich mich geehrt:-)

  • #3

    Martin Czajkowski (Dienstag, 24 August 2010 23:26)

    Hallo,
    da kann ich mich meiner Vorrednerin anschließen wirklich locker geschrieben. Jedoch muss ich da auch in 2. Punkten widersprechen und meinen Senf dazugeben.
    1. Essenszeiten: Besonders bei Familien wird noch wie im Artikel beschrieben später gegessen 16-18 aus dem Grund, dass die Familie zusammen isst, also wird gewartet bis Papa, Mama und Kinder aus Schule und Arbeit zurück sind. Bei einem Geschäftsessen sieht es schon ganz anders aus und es ist durchaus üblich auch schon ab 12 Uhr sich zu einem "Businesslunch" zu verabreden.
    2. Alkoholkonsum: Ist meiner Meinung nach zurückgegangen und es geht eher weg von Wodka -- zu Bier und Wein. Männer saufen nur mit Männern? Oh da habe ich aber ganz andere Sachen erlebt, die modernen Frauen müssen / wollen sich etwas Beweisen ;)

    Der Namenstag hat in Polen wirklich eine höhere Priorität als der Geburtstag, also lieber den Geburtstag als den Namenstag vergessen :)

    Schönen Gruß
    Martin

  • #4

    Martin Czajkowski (Dienstag, 24 August 2010 23:33)

    noch ein kleiner Nachtrag um ein "Faux Pas" zu vermeiden: Sollte ein Meeting, an dem auch Frauen anwesend sind, am 08. März stattfinden solltet ihr unbedingt Blumen für Sie mitbringen. Frauentag in Polen, an diesem Tag sieht man kaum eine Frau ohne Blumen. Was allerdings nicht heißen soll, dass man ansonsten keine Blumen schenken sollte.

    Schönen Gruß
    Martin

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