Mi
26
Mai
2010
Bannert Media – Das Interview
Wissen ist Macht und nichts wissen macht nichts! Diese Aussage kennen wir alle, wenn wir uns vor Unwissenheit schützen wollen. Genau darum geht es im heutigen Interview. Es geht um die Relevanz von Wissen, genauer von aktuellen Nachrichten aus Wissenschaft und Forschung und um das Wie und Warum und was ein damals 13-Jähriger damit zu tun hat.
RostockStartUps: Hallo Matthias, viele kennen Dich von diversen Veranstaltungen mit einer Kamera um die Schulter und Deinem kleinen Notizheftchen in der Hand. Dann bist Du nämlich für eine regionale Zeitung unterwegs. Die wenigsten wissen, dass Du Mitinhaber und Geschäftsführer eines Kleinverlages/Wissensportals bist. Erzähle unseren Lesern doch bitte, was Du bzw. Ihr bis jetzt alles gemacht habt.
Matthias Bannert: Hallo Falk, erst einmal vielen Dank für die Möglichkeit dieses Interviews. Normalerweise stelle ich ja als freierberuflicher Journalist die Fragen. Heute mal anders herum. Mein Partner Erik Muttersbach und ich sind zusammen auf das Innerstädtische Gymnasium gegangen. Zurzeit studiere ich noch Wirtschaftswissenschaften an der Universität Rostock. Erik ist in das schöne München an die Technische Universität gegangen – zum Informatikstudium. Parallel zu meinem Studium habe ich angefangen, für eine Regionalzeitung zu arbeiten, erst im Lokalteil, dann auch zunehmend für die Mantelredaktion.
RostockStartUps: Soweit sieht alles nach einem gewöhnlichen Werdegang aus. Aber wie seid Ihr nun zu Eurem Wissensportal gekommen?
Matthias Bannert: Ich hatte ganz einfach Lust darauf, ein eigenes Magazin zu machen, eines was mich wirklich interessiert. Damals, 2002, ich war gerade mal 13 Jahre alt, habe ich "Scientia – Das Wissensmagazin" zusammen mit einer Schulfreundin am heimischen PC erstellt und am Kopierer vervielfältigt. Wir starteten mit einer Auflage von 30 Heften und organisierten in Eigenregie den Vertrieb. Später kamen dann mehr Leute und eine Auflage von 500 Heften sowie ein entsprechender Webauftritt dazu. Zurzeit arbeiten wir in einem Team von ungefähr zehn Personen.
Erik und ich haben uns bei so genannten Uno-Modellsimulationen, Model United Nations, bei denen unsere Schule teilgenommen hat, kennen gelernt. Ich suchte damals einen neuen Webmaster für unsere Online-Ausgabe. So kam Erik mit ins Boot. Seit Anfang 2009 ist er auch Gesellschafter bei Bannert Media. Das ist der Verlag, der hinter dem Magazin steckt. Erik ist die technische Seele des Unternehmens, während ich mich vorrangig um Konzepte und Inhalte kümmere. Bannert Media, oder wie wir es gern nennen, BM, macht inzwischen nicht nur das Scientia-Magazin, sondern auch noch ganz andere spannende Dinge. Die Buchstaben B und M stehen übrigens nicht ganz unzufällig für unsere beiden Nachnamen.
Seit dem 25. April 2010 betreiben wir Scientia-Magazin.de vorrangig online als Nachrichtenportal für Wissenschaft und Forschung in Norddeutschland. Wir arbeiten hier tagesaktuell und zeigen, was für spannende Sachen direkt vor der Haustür passieren. Man mag es kaum glauben, aber das ist gerade in Mecklenburg-Vorpommern eine ganze Menge. Ebenso bei unseren Nachbarn in Schleswig-Holstein und Hamburg.
RostockStartUps: Da hast Du ja dem Wort Jungunternehmer eine zweifache Bedeutung gegeben. Warum hast Du den Namen "Scientia" gewählt und was bedeutet er?
Matthias Bannert: Scientia ist das lateinische Wort für Wissen und Wissenschaft. Es ist zwar schwer auszusprechen, aber trifft es auf den Punkt. Wer sich das nicht merken kann, der kann einfach www.MVschlau.de oder www.wissensmagazin.info in den Browser eintippen und gelangt somit auch zu uns.
RostockStartUps: Jede Existenzgründung hat die unterschiedlichsten Herausforderungen zu meistern. Welche waren es bei Euch?
Matthias Bannert: Ich glaube, die größte Hürde ist die Mitarbeiter-Motivation. Wir haben vor allem mit Schülern und Studenten gearbeitet, die ja nicht pausenlos an BM denken. Das sollen sie auch nicht, schließlich gibt es ja noch ein Leben neben dem Job. Und irgendwie steht man auch, gerade mit 13, vor diversen Aufgaben, bei denen man gar nicht weiß, wie man sie am besten angeht. Aber das lernt man nach und nach. Das ist inzwischen schon acht Jahre her und Erik und ich haben viel dazu gelernt. Was man noch braucht, ist ganz viel Ausdauer.
Im Gegensatz zu vielen anderen Nachrichtenportalen, sprechen wir mit unseren Inhalten eine kleine, aber dennoch sehr interessante Gruppe an. Die Herausforderung darin besteht, die Interessenten gezielt zu erreichen.
Ein weiterer sehr wichtiger Faktor ist es, was für jede Existenzgründung von großer Bedeutung ist: Der Aufbau eines funktionierenden Netzwerkes. Es ist egal, welche Leistungen man als Unternehmer anbietet, man wächst nicht nur mit seinen Aufgaben, sondern mit der Qualität seines Netzwerkes.
RostockStartUps: Matthias, gerade deine letzteren Ausführungen kann ich nur bestätigen. Jeder geht unterschiedlich an seine Problematiken heran. Wie war es bei Euch? Löst Ihr alles selbst oder gibt es externe Hilfestellung?
Matthias Bannert: Unterstützung bekam ich beispielsweise von allen, die die ersten Hefte von Scientia gekauft und gelesen haben. Von Freunden, die gesagt haben, was sie gut fanden und wenn nötig, auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt haben.
Bei der Entwicklung unseres neuen Portals habe ich des Öfteren Personen aus meinem sozialen Umfeld in meine Gedanken eingeweiht und so Stück für Stück das Konzept reifen lassen. Vor allem Michael Lüdtke, Geschäftsführer bei [Rostock denkt 365°] und an der Interdisziplinären Fakultät der Universität Rostock, hat ganz viele Ideen mit eingebracht. Heute ist er längst fester Bestandteil des Teams und unterstützt unser Projekt nach Kräften. Ein ganz großes Dankeschön an dieser Stelle.
RostockStartUps: Es ist schon erstaunlich, in welchen Projekten Michael Lüdtke zu finden ist. Personen mit solch hohem Engagement könnten wir hier vor Ort noch weitere gebrauchen. Aber zurück zum Interview. Musstet Ihr zu irgendeinem Zeitpunkt externes Kapital aufnehmen?
Matthias Bannert: Bisher haben wir alles mit eigenen Mitteln bewerkstelligen können. Das Nachrichtenportal benötigt auch in naher Zukunft keine Fremdfinanzierung. Für weitere Projekte, losgelöst von Scientia, sind wir bereits in Verhandlungen mit Investoren.
RostockStartUps: Das klingt sehr interessant. Vielleicht kannst Du uns gleich mehr über die anstehenden Projekte sagen. Davor hätte ich gerne erfahren, was aktuell Eure Geschäftsfelder sind.
Matthias Bannert: Auf der einen Seite sind wir ein kleiner Verlag für Online- und auch Printmedien. Auf der anderen Seite sind wir eine Ideenschmiede und Entwickler für Medien- und Webprojekte. Zu Scientia-Magazin.de gesellt sich noch Youthflip.de dazu. Dieses Jugendonlinemagazin haben wir erst kürzlich erworben und wollen es nun mit neuen Ideen bereichern. Darüber hinaus bieten wir auch anderen Medienprojekten Content an. Seit wenigen Wochen kooperieren wir mit Spion Media, die u. a. mv-spion.de, sh-spion.de und hamburg-spion.de betreiben. Diesen Bereich wollen wir – auch mit anderen Partnern – noch weiter ausbauen.
RostockStartUps: Das Thema Netzwerke hatten wir ja bereits besprochen, was sich gerade im Letzteren widerspiegelte. Ihr seid erst vor kurzem an den Start gegangen. Kann man trotzdem jetzt schon ein kleines Resümee auf die Akzeptanz/Resonanz geben?
Matthias Bannert (22)
Matthias Bannert: Ich bin vor allem von der Resonanz aus den wissenschaftlichen Einrichtungen und von den vielen begeisterten Lesern überrascht. Was die Besucheranzahlen angeht, scheinen wir laut Prognose einen ordentlichen Start hinzulegen. Ich habe einen langen Atem und mir ein Ziel bis zum Ende des Jahres gesetzt. Ich gehe davon aus, dass wir das erfüllen werden.
RostockStartUps: Ich drücke Euch die Daumen. Bei den vielen Projekten arbeitet Ihr wahrscheinlich mit Partnern zusammen. Wenn ja, wer sind diese Personen?
Matthias Bannert: In der Tat. Viele Zuarbeiten müssen punktuell erledigt werden und da greifen wir gern auf Partner aus unserem Netzwerk zurück. Konzept, Inhalt, Programmierung und Design kommt aber vorrangig aus dem eigenen Haus. In der Regel arbeiten wir mit ambitionierten und talentierten Freelancern zusammen. Unsere Programmierer heißen witziger Weise Max & Moritz. Streiche spielen sie allerdings nur im positiven Sinne, indem sie mich ständig mit Innovationen überraschen. Ansonsten arbeiten wir eng mit Spion Media und bald auch mit anderen Partnern zusammen, die ich aber noch nicht genauer benennen möchte.
Im Bereich der Nachrichtenbeschaffung verfügen wir über einen Pool von freien Journalisten und arbeiten natürlich sehr eng mit den Universitäten, Forschungseinrichtungen, Institutionen und wissensbasierten Firmen zusammen.
RostockStartUps: Worüber finanziert sich Euer Nachrichtenportal?
Matthias Bannert: Das Nachrichtenportal bietet in erster Linie klassische Bannerwerbung an. Darüber hinaus ist es so konzipiert, dass der User einzelne Themenbereiche, Städte, Regionen oder Institute herausfiltern kann. Den Instituten bieten wir ein Branding an, so dass sie das Unterportal mit einem Logo, individuellen Hintergründen und eigenen Informationen zur ihrer Einrichtung versehen können. Ich glaube, dass das sehr gut ankommt. Nicht nur zur Selbstdarstellung (Reputation), sondern auch um z. B. Studenten zu werben.
RostockStartUps: Du sprachst vorhin bereits an, dass Ihr weitere Projekte plant. Kannst Du auch dazu näheres erläutern?
Matthias Bannert: Oh ja, das betrifft eine Vielzahl von Projekten. Auch wenn Scientia-Magazin.de eine ganze Menge Zeit in Anspruch nimmt, warten Ideen in unseren Köpfen auf eine Umsetzung. Vieles ist natürlich noch geheim. Konkret arbeiten wir gerade an einem Musikportal und an einem Smartphone-Angebot – einer so genannten App für Bildungseinrichtungen. Ich bin sehr gespannt, wie die Konzepte bei Venture-Capital-Gebern und Business Angels ankommen.
RostockStartUps: Ich hoffe doch, dass Du unsere Leser bei der Erreichung bestimmter Meilensteine unterrichtest. Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Wo oder wie seht Ihr Euch in ein paar Jahren?
Erik Muttersbach (20)
Matthias Bannert: Falk, Du bist einer der ersten, die persönlich von mir Bescheid kriegen. Ich hoffe, dass sich Scientia-Magazin.de zu einem führenden Nachrichtenportal in Norddeutschland entwickelt und auch als Schnittstelle zwischen den Forschern, Einrichtungen und Bürgern der Regionen verstanden wird. Wir möchten Interesse wecken, für das, was hinter Labortüren getüftelt wird. Für die Akzeptanz brauchen wir allerdings noch etwas Geduld.
Nach der Etablierung in Norddeutschland werden wir sukzessive einen Blick auf den baltischen Raum werfen, also auch über die Landesgrenzen hinaus.
Bannert Media ist Verlag und Ideenschmiede zugleich. Wir wollen noch viele spannende Projekte launchen. Scientia-Magazin.de ist doch schon mal ein guter Anfang, oder?
RostockStartUps: Das denke ich auch. Wichtig ist es aus meiner Sicht, eine gesunde Basis zu schaffen, wie Ihr es mit Scientia-Magazin.de gerade vorlebt und dann weitere Bereiche "erobert".
Matthias, da Du in zweifacher Hinsicht mit Presse zu tun hast, würde mich interessieren, was aus Deiner Sicht eigentlich guten Journalismus ausmacht.
Matthias Bannert: Neugierig sein und bleiben. Ja, Fragen stellen, nachhaken und Dinge kompakt und verständlich weiter vermitteln. Gerade Wissenschaftsjournalisten stehen vor dem Problem, dass der Forscher für seine Arbeit brennt, aber der „Normalsterbliche“ kaum etwas davon verstehen würde. Journalisten sind auch irgendwie Übersetzer. Zwischen den Fakten und dem, was sie für den Menschen bedeuten. Sie müssen einen klaren Blick bewahren, unabhängig bleiben und auch mal kritisch nachhaken.
RostockStartUps: Ja, ich in meiner Rolle als Blogger sehe das genauso. Kommen wir zur letzten Frage: Welche Tipps hast Du für Existenzgründer. Vor allem für die, die im Internet ihr Geschäftsfeld sehen?
Matthias Bannert: Ein Gründer muss für seine Idee brennen. Ganz klar. Und er muss seinem Projekt andere Dinge unterordnen. Wenn man nicht voll und ganz hinter einer Sache steht, läuft man Gefahr, sie wegen Halbherzigkeit zu "versemmeln". Am besten ist es, wenn man etwas macht, wovon man selbst Ahnung hat und was einen auch wirklich interessiert. Man sollte sich zwar von anderen nicht reinreden lassen, dennoch Kritik annehmen und, wenn erforderlich, sein Konzept überdenken.
Mich fragte mal ein Familienmitglied, wie viel Geld ich mit Scientia verdienen will. Es wollte mir die Summe jeden Monat geben, damit ich mich voll und ganz auf die Schule konzentriere. Aber das wäre nicht das gewesen, was ich wollte. Es geht ja auch darum, Träume zu verwirklichen.
RostockStartUps: Das mit dem Traum und der Umsetzung dessen, ist wohl mit die größte Motivation eines jeden Existenzgründers. Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Euch für alle Projekte maximalen Erfolg.
Matthias Bannert: Ich sage auch Danke. Da ich weiß, dass Du auch an mehren Projekten arbeitest, wünsche ich Dir ebenfalls dafür gutes Gelingen und immer eine helfende Hand im Netzwerk.
Bildquelle: bannert-media.eu
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- Rostock - Blog - 26 May 2010 (2010-05-26 10:49:30)
