Do
18
Mär
2010
Zeit und Kosten einer Gründung
Der eine oder andere hat vielleicht schon mal etwas von der Lissabon-Strategie und der Europäischen Charta für Kleinunternehmer gehört. In der Lissabon-Strategie geht es um: "... die EU innerhalb von zehn Jahren, also bis 2010, zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt zu machen." Wenn sie sich da mal nicht übernommen haben. Aber gut. Jedenfalls geht es in der Europäischen Charta für Kleinunternehmer darum, dass die Entwicklung der kleinen Unternehmen erleichtert werden muss. Unter Bezugnahme dieser beiden "Ausarbeitungen", wurden 2006 durch den Europäischen Rat weitere Zielvorgaben zur Beschleunigung und Vereinfachung der administrativen Gründungsverfahren gemacht.
Damit ihr euch nicht alles durchlesen müsst, habe ich für euch die zehn wichtigen Headlines aus der Charta herausgezogen:
1. Erziehung und Ausbildung zu unternehmerischer Initiative
2. Billigere und schnellere Neugründungen
3. Bessere Rechts- und Verwaltungsvorschriften
4. Verfügbarkeit von Fertigkeiten
5. Verbesserung des Online-Zugangs
6. Bessere Nutzung des Binnenmarkts
7. Steuer- und Finanzwesen
8. Stärkung des technologischen Potenzials der Kleinunternehmen
9. Erfolgreiche Modelle für den elektronischen Handel und erstklassige Unterstützung für kleine Unternehmen
10. Stärkere und effizientere Vertretung der Interessen der kleinen und mittleren Unternehmen auf Ebene der Union und der Mitgliedstaaten
Bezüglich Punkt 2. "Billigere und schnellere Neugründungen" gibt es mittlerweile die zweite Erhebung, wo innerhalb der EU ermittelt wurde, wie lange der administrative Gründungsaufwand war und was es gekostet hat. In Deutschland benötigte man (2009) durchschnittlich für eine Gründung nur noch 4,5 Tage. Das entspricht im EU-Ranking Platz Nr. 13. Die durchschnittlichen administrativen Gründungskosten betrugen bei uns lediglich 166 Euro was uns einen Platz 8. beschert. Bei zurzeit insgesamt 27 Mitgliedsländern ist das schon mal ein guter Durchschnitt. Aber anscheinend geht es auch noch effektiver. Hier die aktuelle Auswertung:
Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn wurde beauftragt, diese Untersuchung in Deutschland durchzuführen. Dazu befragten sie auf Basis von "ausführlichen, fragebogengestützten Experteninterviews mit allen am Gründungsprozess beteiligten Institutionen" (nur) drei Kommunen (Bremerhaven, Meißen und München). "Der Vergleich wurde erstmals nach einheitlichen definitorischen und methodischen Vorgaben der Europäischen Kommission für alle 27 EU-Mitgliedstaaten durchgeführt und beschränkt sich auf fünf idealtypische Gründungsunternehmen in der Rechtsform einer GmbH." Soll heißen, dass alle die gleichen (theoretischen) Vorraussetzungen hatten und als "Versuchsobjekt" jeweils eine ganz normale GmbH standhalten musste.
Ein idealtypisches Gründungsunternehmen setzt sich nach deren Meinung aus unterschiedlichen Bereichen des produzierenden- und des Dienstleistungsgewerbes zusammen. Hier die Auflistung:
1. Hersteller industrieller Produkte
2. IT-Unternehmen
3. Hotel mit einem Restaurant
4. Installateur
5. Großhandelsunternehmen
Wer sich in diese Problematik vertiefen und die 101 Seiten der gesamten Ausarbeitung des IfM-Bonn lesen möchte, kann es hier tun bzw. hier runterladen.
Auf der einen Seite ist es ja ganz nett zu wissen, wo die Durchschnittswerte liegen und welchen Platz Deutschland einnimmt. Ist jetzt die Frage, wer dazu beigetragen hat: Die EU, die Verantwortlichen der einzelnen Länder oder hat das gar der Markt selbst geregelt? Ich vermute letzteres.
Bildquelle: fair-news.de
Dateiquelle: ifm-bonn.de
