Mo

22

Feb

2010

Gründungsfinanzierung: Glaube und Wirklichkeit

Beim surfen in den letzten Tagen ist mir ein Artikel aufgefallen, den ich sehr interessant fand. Dieser handelt vom Mythos Gründungsfinanzierung. Die meisten Existenzgründer und StartUps liegen im Vorfeld gedanklich oft falsch, wenn es um grundsätzliche Fragen der Kapitalgröße und -beschaffung geht. Und obwohl die folgende Aufstellung auf amerikanische Erhebungen zurück zu führen ist, so sind dennoch die grundsätzlichen Aussagen auch auf unsere Gründer übertragbar.


1. "Mythos: Für ein StartUp benötigt man viel Geld. Realität: Man braucht nicht viel Geld, um ein StartUp zu gründen. Das typische US-StartUp benötigt weniger als 25.000 US-Dollar Startkapital." Diese Größenordnung ist auch für die Masse deutscher Startups relevant. Man muss aber dazu sagen, dass es nach wie vor auch Gründungen gibt, die weitaus mehr Kapital benötigen. Denn nicht jeder Gründer kann sein Geschäftskonzept alleine umsetzen. Muss er externe Dienstleistungen hinzuziehen, wird aus der fünfstelligen schnell eine sechsstellige Zahl. Okay, dies ist aber nicht die Regel. An dieser Stelle müsste dennoch hinterfragt werden, für welche Gründungsphasen das Kapital benötigt wird und ob Forschung und Entwicklung mit einfließen müssen.

2. "Mythos: Gründer suchen überall nach Kapital. Realität: Die meisten Gründer erhalten ihr Startkapital nicht von anderen (Freunde, Familie & Fools, Business Angels, VC's) sondern verwenden ihre eigenen Ersparnisse." Diese Aussagen decken sich auch mit meinen Erfahrungen. Ich gehe aber davon aus, dass die Kapitalbeschaffung von Business Angels weiter zunehmen wird. Denn gerade diese Gruppe hat die Möglichkeit im unteren fünfstelligen Bereich zu agieren und deren Know-how ist gefragter den je. Denn Geschwindigkeit ist für viele Startups notwendig.


3. "Mythos: Vermögende tendieren eher zur Gründung. Realität: Unerwartete Vermögenszuwächse erhöhen zwar die Wahrscheinlichkeit, dass jemand gründet. Aber Vermögendere neigen nicht stärker zu einer Gründung als der Durchschnittsbürger, es sei denn sie gehören zu den 10 Prozent der Vermögendsten und werden dann Freiberufler." Zu dieser Aussage kann ich nicht wirklich was sagen. Ich kann mir nur vorstellen, dass der "normale" Gründer mindestens eine Motivation mehr hat, als der Vermögende. Er möchte mit Hilfe seines Startups auch zu den 10 Prozent vorstoßen.


4. "Mythos: Gründer verschulden sich nicht persönlich. Realität: StartUps nehmen kein Fremdkapital auf, aber ihre Gründer tun es und haften dafür persönlich." Genau. Deshalb sollten sich Gründer gut überlegen, ob ihre Idee dass Wert ist und ob sie sich dieser Haftung hingeben wollen.


5. "Mythos: StartUps mit guten Geschäftsideen und guten Teams erhalten Kapital. Realität: Einer der am häufigsten übersehenen Gründe, weshalb jemand eine externe Finanzierung bekommt ist einfach, dass er danach fragt." Hier würde ich sagen stimmt Beides. Na klar muss zuerst danach gefragt werden. Aber wenn die Idee und das Team den Investoren nicht zusagen, nützt leider auch das Fragen nichts.


6. "Mythos: Sehr "frische" StartUps erhalten am ehesten Geld. Realität: Ein Grund, weshalb einige Unternehmen externes Kapital erhalten und andere nicht ist, dass sie bereits weiter entwickelt, ggf. schon Cash-Flow-positiv sind und somit das Risiko für die Kapitalgeber geringer ist." Leider (aus Sicht der Gründer). So ist das nun mal. Eine brillante Idee, die nur auf dem Papier existiert, ist nun mal keine Investition wert. Da geht leider das Sicherheitsdenken der VC's mittlerweile in Richtung der Banken. Das Wort Risikokapital darf man nicht über bewerten. Ein Prototyp oder ähnliches sollte schon vorhanden sein. Und noch besser ist es natürlich, wenn das Geschäft schon läuft, Kunden da sind und Umsätze generiert werden. Dann hat man als Startup wesentlich bessere Karten zum Verhandeln.


7. "Mythos: StartUps sind fast ausschließlich eigenkapitalfinanziert. Realität: StartUps können auch Fremdkapital erhalten. Im Durchschnitt beträgt ihre Fremdkapitalquote sogar 50 Prozent." Dieser Sachverhalt deckt sich nicht unbedingt mit dem in Punkt zwei. Denn dort war die Aussage, dass die meisten Startups ihr eigenes Geld investieren. Die meisten heißt für mich jedenfalls mehr als 50 Prozent. Aber vielleicht interpretiere ich das auch falsch.


8. "Mythos: StartUps erhalten von Banken kein Geld. Realität: Banken verleihen Geld an StartUps. Die am häufigsten vorkommende Quelle von Fremdkapital sind Banken." Jetzt bin ich etwas unsicher. Ich denke mal diese Aussage bezieht sich rein auf den amerikanischen Markt. Nachdem was ich bis jetzt gelesen und erfahren habe, halten sich die deutschen Banken mit Finanzierungen für Startups sehr zurück. Diesen Sachverhalt kann ich nicht bestätigen.

 

9. "Mythos: Von Freunden und Familie Startkapital zu erhalten, ist einfach und üblich. Realität: Die häufig zitierten "Freunde & Familie" sind eine schlechte Quelle für externes Kapital." Das ist wohl so. Ich kenne einige Gründer, die aber das widerlegen. Da kommt in mir die Frage auf, warum sind das schlechte Quellen? Vielleicht, weil sie die Geschäftsideen nicht mittragen können (haben keine Ersparnisse) oder wollen (verstehen es nicht)?


10. "Mythos: VC's sind für die Eigenkapital-Versorgung von Startups zentral. Realität: VC's versorgen weniger als 1 Prozent junger Unternehmen mit Kapital. Insgesamt sind sie für weniger als 2 Prozent des gesamten Gründungsfinanzierungsvolumens verantwortlich." Ich bin ja ehrlich. Ich hätte mit wesentlich mehr Anteilen bzw. Prozenten gerechnet. Das erscheint mir wirklich sehr wenig. Umso mehr verstehe ich nicht, dass die Finanzierungsform Risikokapital bei Startups in aller Munde ist. Ist das ganze "VC-Gehabe" vielleicht auch nur ein Mythos?


11. "Mythos: VC's sind gegenüber Business Angels relevanter. Realität: Informelle Investoren bzw. Business Angels sind eine wichtigere Kapitalquelle für StartUps als VC's." Okay, dass sehe ich ein. Wenn die Durchschnitts-Kapitalhöhe bis zu 25.000 Euro ist, dann ist das eher ein Fall für BA's als für VC's.


12. "Mythos: Der typische informelle Investor ist ein klassischer Angel - vermögend, erfahren, hohe Investitionen tätigend und mit hoher Renditeerwartung. Realität: Der typische informelle Investor ist deutlich weniger vermögend, hat deutlich weniger Erfahrung, tätigt deutlich geringere Investitionen und erwartet deutlich geringere Renditen als uns gemein hin Glauben gemacht wird." Diese Aussage ist sehr global formuliert. Im direkten Vergleich zu einem VC stimmt das natürlich. Interessant wäre zu wissen, wie vermögend der informelle Investor im Durchschnitt ist, wie viel Erfahrungen er mitbringt, wie hoch seine Investments sind und wie hoch seine Erwartungen sind.


Was bringen dem Gründer nun diese Aussagen? Zumindest ein Aha. Mehr aber auch nicht. Bei der Kapitalbeschaffung wird er weiterhin alle möglichen Quellen anzapfen müssen, wenn er sich nicht aus eigener Kraft finanzieren kann. Denn mit Sicherheit wird nicht der erst beste VC, BA oder die Bank hier, jetzt und hurra schreien.



Bildquelle: © Ernst Rose / PIXELIO

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3 Kommentare

  • #1

    Matthias (Montag, 22 Februar 2010 08:43)

    Falk, da stimme ich dir nicht ganz zu. Start Ups brauchen in der Regel für die Gründung selbst kein Geld. Aber die Gefahr ist zu groß, dass andere VC-Geber das Projekt zu schnell selbst realisieren. Das heißt, nach der Gründung kommt es darauf an, dass Geschäft so schnell wie es geht 1. bekannt zu machen und 2. erfolgreich zu machen. Nur dann hast du eine Chance, die Idee gewinnträchtig zu realisieren. Und die Marketingkosten werden die Gesamtkosten sprengen. Glück für die, bei denen es nicht so ist ;-)

  • #2

    Falk (Montag, 22 Februar 2010 10:25)

    Hallo Matthias, mein heutiger Artikel befasst sich mit der Gründungsfinanzierung. In einschlägiger Literatur werden der Gründungsfinanzierung die Seed-, die Startup- und auch manchmal die First Stage Phase (weitere Finanzierungsrunde) hinzugezählt. Je nach Betrachtungsweise. Wie Du sicherlich weißt, unterteilt sich die Seed-Phase in die Orientierungsphase (Bildung von Gründungsbewusstsein, Entwicklung von Gründungsmündigkeit) und in die Vorgründungsphase (Entwicklung der Geschäftsidee, Erarbeitung des Businessplans). Die Startup-Phase ist die eigentliche Gründungsphase. Ihr wird der Zeitraum bis zum Break Even Point zugeschrieben. Wenn Du bis zu diesem Punkt kein Geld benötigst, solltest Du uns allen Dein Geheimnis verraten.

    Dass Geschwindigkeit wichtig für Startups ist, ist natürlich richtig und auch kein Geheimnis mehr. Bei Deinen Kosten hast Du wohl etwas anderes gemeint? Denn eine Teilmenge (Marketingkosten) kann nie größer als eine Gesamtmenge (Gesamtkosten) sein.

  • #3

    Matthias (Donnerstag, 25 Februar 2010 10:08)

    Ich meine den Zeitpunkt des Markteintrittes. Dann ist nämlicher der Finanzbedarf extrem hoch, falls das Projekt nicht sofort nach 3 Tagen scheitern soll. Sicher brauchst du für die Gründung eventuell nur einen Euro, aber was nützt dir die Gründung, wenn du damit nix anstellen kannst.

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