Mi
27
Jan
2010
Spion-Media – Das Interview
Es gibt sie doch in Rostock, die Internetgründer. Ein Paradebeispiel für erfolgreiches Gründen mit Fokus auf das Internet ist das Unternehmen Spion-Media. Für fast jeden zweiten jungen Menschen im Nordosten besser bekannt unter dem Namen mv-spion.de.
Diese Community ist nicht eine von vielen, sondern konzentriert sich seit Anfang an auf das Thema, was immer mehr von Web-Gründern gefordert wird - Regionalität. Und mit diesem Mehrwert sind sie nicht nur hier vor Ort erfolgreich. Die Community ist mittlerweile nicht mehr allein ihr Geschäftszweck. Andere Bereiche entstanden auf Kundenwünsche und werden sukzessive umgesetzt.
Kennengelernt habe ich die Gründer erst vor kurzem auf der Gründermesse Leinenlos, über die ich in der vorletzten Woche berichtete. Die Kontaktanbahnung war sehr unkompliziert und ein Termin für dieses Interview (inklusive Frühstück!) kam auch schnell zustande. Hier das Ergebnis.
RostockStartUps: Hallo und danke für die Einladung. Gleich mal eine Frage vorweg. Eure Dienstleistung MV-Spion ist hier wirklich bekannt, nur weiß wohl kaum jemand wer dahinter steht. Wie kommt das?
Michael Stegemann: Das stimmt. Wir haben uns ganz der Produktentwicklung und dem Unternehmensaufbau gewidmet. Dabei haben wir vielleicht ein bisschen die persönliche Vorstellung vernachlässigt. Dieses hat sich aber in letzter Zeit geändert.
Stephan Chudowski: Deshalb haben wir das Angebot zur Gründermesse Leinenlos zu kommen sehr gerne angenommen, um uns dort präsentieren zu können. Es hat sich gelohnt. Wir konnten neue Kontakte und potentielle Kunden gewinnen.
RostockStartUps: Genau und wir haben uns auch kennen gelernt. Michael (28) und Stephan (28), Ihr seit die Gründer der Spion-Media GmbH, vielleicht erzählt Ihr unseren Lesern etwas von Eurem bisherigen Werdegang.
Michael Stegemann: Dann mache ich mal den Anfang. Nach meinem Abitur hatte ich mir in den Kopf gesetzt, Informatik zu studieren. Schnell habe ich gemerkt, dass meine Erwartungshaltung nicht mit den Inhalten übereinstimmte. Deshalb zog ich die Konsequenz und brach nach dem Grundstudium ab. Da für mich schon immer fest stand, im Bereich Internet Community ein Geschäftsmodell zu entwickeln, wählte ich einen kürzeren Ausbildungsweg (Fachinformatiker), um mir das Know-how anzueignen. Parallel dazu, das war so um 2003, entwickelte ich die Kontaktbörse mv-single.de.
In meiner Freizeit engagiere ich mich seit vielen Jahren beim lokalen Radiosender LOHRO. Dort finde ich einen hervorragenden Ausgleich mit viel Spaß und kreativen Menschen.
Stephan Chudowski: Kurz zu meiner Person. Nach meinem Abitur studierte ich Landeskultur und Umweltschutz und habe sehr viel Zeit ehrenamtlich im Rostocker Kanu Club verbracht.
Parallel zu meiner Ausbildung habe ich wie Michael auch 2001 ein regionalbezogenes Portal, die KTV-Zone.de, entwickelt. Das war ein Nightlifeportal für unsere Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV).
RostockStartUps: Wie kam es dazu, das Ihr Euch zusammen getan habt und vermutlich auch Eure Portale?
Stephan Chudowski: Kennengelernt haben wir uns im Kreise unserer gemeinsamen Freunde. Schnell war uns klar, dass wir "Größeres" vorhaben. Wir erkannten sofort, dass wir die Inhalte unserer beiden Portale zusammen bringen können.

Michael Stegemann: Genau. Obwohl die Ausrichtung unterschiedlich war, erkannten wir die möglichen Synergien. So kam es zum ersten Zusammentreffen aller Beteiligten und zu einem Brainstorming. Aus der ganzen Runde blieben leider nur Stephan und ich übrig. Daraufhin gründeten wir die Stegemann & Chudowski GbR. Alle anderen lehnten aus persönlichen Gründen ab.
Stephan zog dann zu mir in die WG, was das Voranbringen unserer Geschäftsidee immens beschleunigte. Aus MV-Single wurde MV-Spion, aus der GbR eine GmbH, aus der WG ein Büro und aus unseren Freunden Mitarbeiter.
Stephan Chudowski: Das klingt nun alles sehr einfach, was es nicht unbedingt war. Aber es war der Grundstein für die Akzeptanz unserer jetzigen Community, die nun bezüglich des Wachstums unsere Erwartungen übertraf und so zur größten Plattform im Nordosten heranwuchs.
RostockStartUps: Stephan, Du sprachst es gerade an, dass der Weg dahin nicht immer leicht war. Mit welcher Art von Widerständen musstet Ihr Euch auseinander setzen?
Stephan Chudowski: Da wir die Gründung und eben die Entwicklung der Geschäftsidee parallel zur Ausbildung machten, gab es vor allem im Bereich Organisation und Zeitmanagement gewissen Bedarf.
Michael Stegemann: Wir kämpften halt mit Dingen, die die meisten Gründer kennen: Ausbildung, Studium, Gründung, Businessplan, Förderanträge, Gründer-Seminare, Steuererklärung, Akquise geeigneter Partner etc.
RostockStartUps: Ja, das kommt mir alles sehr bekannt vor. Wie habt Ihr das Problem mit dem Kapital lösen können. Ich kann mir gut vorstellen, dass Ihr auch Geld in die Hand nehmen musstet.
Stephan Chudowski: Die ersten Schritte konnten wir aus eigenen Mitteln bestreiten. Aber mit Anstieg der Nutzerzahlen musst du auch für noch mehr Sicherheit und Performance sorgen.
Den Schritt in Richtung Venture Capital hatten wir uns auch überlegt, aber im Endeffekt wieder verworfen. Durch Stille Beteiligung konnten wir dieses Problem kompensieren. Aber ohne Kapital ist es einfach schwierig zu wachsen.
RostockStartUps: Im Normalfall werden Gründer von irgendjemand unterstützt. Wie war das bei Euch? Wer hat Euch geholfen?
Michael Stegemann: Bei uns waren es unsere Freunde, die wir zum Mitmachen bewegen konnten. Und über Umwege kamen wir zu Virtus. Die Firma Virtus ist Träger vom Projekt Leinenlos. Dort stießen wir mit unserem Konzept auf offene Ohren, die uns gründungsbegleitend unterstützten. Insbesondere in den Bereichen Organisation und Recht konnten viele Fragen für uns geklärt werden. Aber auch der Bereich Finanzplanung war für unseren Wachstumsprozess enorm wichtig.
Stephan Chudowski: Sehr große Unterstützung erhielten und erhalten wir immer noch von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO. Da wir an uns sehr hohe Anforderungen stellen, wollten wir auch für den steuerlichen Aspekt einen äußerst verlässlichen Partner. Diesen haben wir mit der BDO gefunden, die darüber hinaus auch als strategischer Partner für uns zur Verfügung steht.
RostockStartUps: Wenn man solche Namen hört, kann man ja richtig neidisch werden. Aber das Engagement der BDO in Sachen Existenzgründung war schon immer sehr hoch. Das kenne ich noch aus meiner ersten Firmengründung aus 2000. Kommen wir nun zu Euren Geschäftsfeldern. Diese belaufen sich mittlerweile nicht nur auf die Community. Wie sieht die Ausrichtung Eurer Geschäftstätigkeit aus?

Stephan Chudowski: Grob gesagt sind das die Bereiche Onlinemarketing und Consulting. Im ersteren bedeutet es den Verkauf von Werbeplätzen auf unserer Community. Das ist ein sehr komplexes Aufgabengebiet mit festen Vertriebsstrukturen, in die man nicht ohne weiteres hineinkommt. Das bedarf einer gewissen Vorlaufphase, permanente Leistungserbringung ohne Qualitätsverlust, Mund zu Mund Propaganda, ein ausgezeichnetes Preis-/Leistungsverhältnis und ohne strategische Partnerschaften ist dieses Geschäft sowieso kaum möglich. Aber wir sind auch dort auf dem besten Wege.
Michael Stegemann: Den Bereich Consulting hatten wir anfangs nicht vor mit abzudecken. Die Konzentration lag bei unserer Community. Aber durch die vielen Anfragen unserer Kunden wurden wir mehr oder weniger "gezwungen" auch diesen Part, mittlerweile seit ca. 1,5 Jahren, mit anzubieten. Das heißt, wir beraten zu komplexen Onlinestrategien mit dem gleichen hohen Anspruch, wie wir ihn auch für unsere Community ansetzen.
RostockStartUps: Auf Eurer Firmenwebsite habe ich gelesen, dass Ihr mit der Community nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch in allen anderen Bundesländern, sogar schon in Österreich und der Schweiz vertreten seid. In welchen Städten seid Ihr mit Eurem Consulting-Angebot unterwegs?
Stephan Chudowski: Zurzeit sind wir besonders im Nordosten vertreten, aber auch in Hamburg und Berlin. Die Nachfrage steigt stetig.
RostockStartUps: Wie sehen momentan die Mitgliedszahlen der Community aus und wer sind Referenzkunden für Euren Consulting-Bereich?
Michael Stegemann: Im Bereich Community haben wir ca. 200.000 Mitglieder, d. h. 50 Prozent aller jungen Menschen im Nordosten sind bei uns registriert. Referenzkunden im Consulting-Bereich sind z. B. Supreme-Surf (noch in Arbeit, Rostock), GRIMM Gastrobedarf (noch in Arbeit, Berlin), Bike Market (noch in Arbeit, Rostock) und Uniconsult-Hamburg (fertig gestellt, Hamburg).
RostockStartUps: Welche Projekte habt Ihr in naher Zukunft vor bzw. wie soll die Spion-Media GmbH ausgerichtet werden.
Stephan Chudowski: Im Vordergrund unseres Firmenausbaus steht der konsequente Ausbau des Consulting-Bereiches, da hier die Nachfrage besonders stark ist. Den Erfolg, den wir im Nordosten mit unserer Community haben, möchten wir auf die anderen Bundesländer übertragen. In diesem Zusammenhang wird es eine Reihe von Erweiterungen im Servicebereich auf unserer Plattform geben. Damit wollen wir verstärkt den regionalen Charakter auf der Community hervorheben.
RostockStartUps: Früher musste alles global sein und mittlerweile fokussiert man wieder auf Regionalität. Diesen Trend kann ich nur unterstützen. Aber ich sehe, Ihr seit ständig am erneuern und erweitern. Wo soll es denn mal mit Eurer Spion-Media GmbH hingehen?
Michael Stegemann: Im Segment lokale Communities streben wir die Marktführerschaft an und als Webdienstleister wollen wir regional vorne agieren.
Michael Stegemann, Falk Mahlendorf, Stephan Chudowski (v.l.n.r.)
RostockStartUps: Das sind sehr ehrgeizige Ziele. Ich drücke Euch die Daumen. Kommen wir zum Ende dieses Interviews: Ich bitte Euch, aus Eurer Sicht potentiellen Gründern ein paar Tipps mit auf dem Weg zu geben.
Stephan Chudowski: Ganz klar, Geschäftsideen im Internet haben nach wie vor enormes Potential. ABER, die Boom-Jahre sind vorbei. Das Web ist keine "Eier legende Wollmilchsau", wo sich das Kapital über Nacht verdreifacht. Wer hier punkten will, muss mit einem klaren Konzept und vor allem mit einem eindeutigen Mehrwert für den Kunden trumpfen. Durch die Popularität ist das Web einer der am härtesten umkämpften Märkte der Zukunft. Ohne ausreichendes Kapital im Hintergrund, ist kaum noch ein Konzept dauerhaft umsetzbar.
Michael Stegemann: Und ganz wichtig ist es auch noch: Glaub immer an dein Konzept, arbeite hart daran und lass dich nicht von irgendwelchen Schlaumeiern im Anzug irritieren.
RostockStartUps: Das ist doch mal eine klare Aussage. Auch ich werde es mir zu Herzen nehmen. Ich danke Euch für das Interview.
Ihr seid zwar schon zeitlich gesehen über die eigentliche Gründungsphase hinaus, aber ich würde mich dennoch freuen Euch beim OpenCoffee Club das eine oder andere Mal antreffen zu können.
Beide: Wir danken auch für das Interview und ja: Networking ist immens wichtig, egal in welcher Unternehmensphase man sich befindet. Deshalb werden wir am 10. Februar dabei sein.
Bildquelle: Spion Media GmbH
Fotograf: Falk Mahlendorf
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