Fr

22

Jan

2010

9. Tagung "Innovationsförderung und Gründungsfinanzierung"

Gestern fand in der IHK zu Rostock eine Veranstaltung statt, die sich vordergründig mit dem Thema Kapital auseinandersetzte. Eine Einschränkung gab es schon, da es sich um "Innovationsförderung und Gründungsfinanzierung" für WissenschaftlerInnen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen handelte. Interessent war es allemal. Einiges kannte man vielleicht, aber auch diese Informationen aus Sicht eines anderen dargelegt und interpretiert hat dann doch wieder einen Mehrwert.

Gerade diese WissenschaftlerInnen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen kommen in Rostock eigentlich nicht um das Projekt SPiNOFF vom Forschungsverbund MV e.V. herum. Denn diese Mitarbeiter erbringen nachweislich seit vielen Jahren eine qualitativ sehr hohe Leistung, was ich aus eigenen Erfahrungen bestätigen kann. Und in dieser gewohnten Qualität war die gestrige Veranstaltung geplant und durchgeführt worden.


Im Einzelnen stellten sich Existenzgründer und Institutionen vor. Den Anfang machte die Firma SWAN - Scientific Workflow Analysis GmbH aus Leipzig. Deren Geschäftsmodell ist eine neue wissenschaftliche Methodik zur Analyse für chirurgische Prozesse. Dabei geht es darum, die unstrukturierten Prozesse sekundengenau beschreiben zu können - die "Chirurgische Workflow Analyse". Nicht weniger interessant war zu hören, wie deren Werdegang während der Gründung verlief, wie deren Idee zur Umsetzung reifte und welche Faktoren eine bedeutende Rolle allgemein für eine Unternehmensgründung spielen.


Wer sich schon einmal mit Förderungen auseinander gesetzt hat, weiß dass die Akquise solcher Mittel mit erheblichem Aufwand verbunden sein kann. Es beginnt meistens schon damit, dass man für sein Vorhaben gar nicht so recht weiß, welches Programm vielleicht in Frage kommt. Die Antragsstellung und das gesamte Verfahren haben so ihre Besonderheiten. Da ist es gut zu wissen, dass es dafür Hilfe gibt. In Berlin sitzt die Förderberatung "Forschung und Innovation" des Bundes. Das bedeutet, dass der (angehende) Existenzgründer mit seiner Geschäftsidee dort bezüglich Forschungs- und Innovationsförderung nachfragen kann. Je nach dem, welchen Kommunikationsweg er wählt bekommt er sofort oder bis spätestens nach 2-3 Tagen die für ihn möglichen Förderprogramme genannt. Nicht 20 oder 30, sonder zwei oder drei, was den weiteren Aufwand drastisch reduziert.


Vorgestellt hatte sich auch eine bundesweit agierende Gründerinitiative aus Frankfurt, die Science4Life e. V. Diese Initiative, mit dem Schwerpunkt Life Science und Chemie, gibt es bereits seit 11 Jahren und hat in ihrer Arbeit 340 Unternehmensgründungen begleitet, die wiederum 1909 Arbeitsplätze geschaffen haben.


Nach einer ausgiebigen Kaffeepause wurde durch den Geschäftsführer Armin Köhler von der IT-Initiative MV e. V. der IT-Future Fond des Landes MV vorgestellt. An dieser Stelle möchte ich auf ein bereits geführtes Interview zwischen RostockStartUps und Herrn Armin Köhler verweisen. Nur soviel: Ein Blick in den nächsten Wochen auf der Homepage vom IT-Future Fond lohnt sich. Denn dann wird die nächste Bewerbungsrunde eingeläutet.

Gründungsinteressierte Stundenten haben sich bestimmt schon mal mit dem Programm Exist - Gründerstipendium auseinander gesetzt. Das Gute an diesem Stipendium ist es, dass es für alle Branchen offen ist. Selbsterklärend, dass die Gründungsideen eine technische Produkt- und Prozessinnovation, neuwertige wissensbasierte Dienstleistungen besitzen sollten und der Kundennutzen und deutliche Alleinstellungsmerkmale nicht fehlen dürfen. Auch für wissenschaftliche Mitarbeiter ist Exist interessant. Dort gibt es das Programm Forschungstransfer. Dessen Fokus liegt im Bereich Forscherteams an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Hierbei liegen die Schwerpunkte in den Innovationen aus Forschungsprojekten und die Überführung in eine technische Machbarkeit und in eine Kommerzialisierung.


Abschließend zu dieser Veranstaltung hatten zwei junge Startups die Möglichkeit ihren Werdegang der Gründung und die Geschäftsidee vorzustellen. Das erste Team der Firma Enzymicals AG, welches das gerade genannte Exist Programm - Forschungstransfer - in Anspruch genommen hatte, war leider krankheitsbedingt verhindert. In der Pause hörte ich, dass dieses Startup bereits sehr gut im Geschäft ist und sich schon jetzt ein sehr schnelles Wachstum abzeichnet.


Diese waren nun leider nicht da, aber ein nicht weniger interessantes Startup - die ProMedTours - sprang kurzfristig ein. Das Konzept ist schnell erklärt: Medizin- bzw. Patiententourismus - weltweit. Für unser Land Mecklenburg-Vorpommern eigentlich ideal. Was der Gründer aber an Erfahrungen über sich ergehen lassen musste, klang schon sehr grenzlastig. Das war für mich endlich mal eine Gründerstory, die nicht wirklich reibungslos verlief. Ganz im Gegenteil. Es war deshalb für mich so interessant, weil die Wenigsten sich trauen, über all diese Stolpersteine oder auch Stolperberge öffentlich zu reden. Ich hoffe, dass ich zu gegebener Zeit das Gründerteam hier auf diesem Blog vorstellen kann.


Last but not least kam zum Schuss das Startup Geozon Science Media UG (haftungsbeschränkt) zu Wort. Diese haben eine webbasierte Softwarelösung für wissenschaftliches Multi-Channel-Publishing entwickelt. Der Einsatz wurde unter dem Open-Access-Paradigma optimiert und verbindet die Leistungen einer Web-Publishing-Application mit einem Workflow-System. Es ist ein Publikationsservice für die Geo- und Umweltwissenschaften, mit technologieorientierten Mediendienstleistungen für Wissenschaftler, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Verbände, Behörden und Wirtschaftsunternehmen und das Ganze international. Den Vortrag fand ich dahingehend sehr spannend, dass das Konzept ein wunderbares Beispiel für die Umsetzung modernster Errungenschaften, die das Internet zurzeit bietet, ist.


Die gesamte Veranstaltung, die von Herrn Michael Lüdtke (Universität Rostock) moderiert wurde, fand ich persönlich höchst interessant und sehr gelungen. Nach dieser ganzen Reihe von Vorträgen klang die Veranstaltung mit einem Buffet und weiteren interessanten Gesprächen aus. Bleibt mir nur noch zusagen, dass ich mich schon jetzt auf die 10. Tagung "Innovationsförderung und Gründungsfinanzierung" im nächsten Jahr freue.

 

 

 

Bildquelle: www.spinoff-mv.de/
Fotograf: Falk Mahlendorf

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1 Kommentar

  • #1

    Rolf Lerch (Freitag, 22 Januar 2010 10:37)

    Höchst interessant was hier beschrieben wird. Auch ich habe eine Existenz im Patiententourismus neu gegründet,und habe bisher die Erfahrung gemacht, dass Banken und Krankenkassen für neue innovative Ideen nicht zugänglich sind. Banken bieten keine Förderprogramme an, und Krankenkassen könnten erhebliche Kosten durch unsere Dienstleistung einsparen.

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