Mo

30

Nov

2009

Auf einen Espresso mit Alexander Rudolph – DOMUSIMAGES

Vor dem letzten Stammtisch wurde ich von jemandem kontaktiert, der spontan zum Treffen kommen wollte. Kurz entschlossen - das fand ich gut. Es ist immer wieder bemerkenswert, wenn jemand über eine gewisse Weitsicht verfügt. Vielleicht liegt es daran, dass Alexander Auslandserfahrungen hat.

 

Ich habe großen Respekt vor Personen, die über einen sehr langen Zeitraum an ihren Idealen und Vorhaben festhalten. Das und noch viele andere spannende Sachen habe ich in dem Interview feststellen dürfen. Aber der Reihe nach.

 

Wo trifft man sich in der Rostocker Innenstadt, wenn der Gesprächspartner Alexander heißt? Genau, natürlich im Alex auf dem Neuen Markt.

 

RostockStartUps: Hallo Alexander, schön, dass der heutige Termin so kurzfristig zustande kommen konnte. Von unserem letzten Gespräch habe ich noch in Erinnerung, dass Du heute beruflich etwas anderes machst, als Du einmal gelernt hast. Das ist doch richtig, oder?

Alexander Rudolph: Hallo Falk, danke für die Einladung zum Interview. Deine erste Frage muss ich mit einem klaren Jein beantworten, aber dafür muss ich etwas weiter ausholen.

 

Seitdem ich denken kann, ist die Fotografie meine große Leidenschaft. Zur Jugendweihe vor nunmehr 24 Jahren bekam ich von meinen Eltern eine Spiegelreflexkamera und ein kleines Entwicklungslabor geschenkt. Das war schon der Start in die richtige Richtung. Leider war es seinerzeit nicht möglich, meine Passion beruflich auszuüben, also habe ich statt eines schon zugesagten Studiums eine kaufmännische Lehre absolviert. Schwerpunkt dabei waren Marketing und Vertrieb. Ich habe bei BMW, Mercedes und Bang & Olufsen, im In- und Ausland gearbeitet. Ausflüge in die Erlebnisgastronomie waren ebenfalls dabei. Die Fotografie habe ich dabei jedoch nie aus den Augen verloren.

 

So kam es, dass ich mich während meines USA-Aufenthaltes im Bereich Lifestyle Fotografie ausprobierte und eine Selbständigkeit neben meinem Beruf etablierte. Das lief besser als erwartet. Meine Aufenthaltsgenehmigung lief im März 2008 aus. Ich entschloss mich jedoch, erst einmal nicht nach Deutschland zurück zu kehren. Ich fand, dass Mallorca ein guter Platz war, um mit meiner Fotografie weiter zu machen. Schnell bemerkte ich, dass ich meine Zielgruppe ändern musste. Vom Lifestyleshooting hin zur Architektur oder genauer - der Immobilie.


Als klar wurde, dass Mallorca langfristig als Wohnort nicht in Frage kam, begann ich parallel zu Mallorca mir auch in Rostock ein Geschäftsfeld aufzubauen. Auch für hier musste ich meinen Fokus den hiesigen Gegebenheiten anpassen. Was auf Mallorca für mich die Immobiliefotografie ist, ist in Rostock das Hotelsujet. Hotelfotografie ist ein noch nicht wesentlich besetzter Markt, indem ich innerhalb kürzester Zeit Fuß fassen konnte.

 

Falk, um noch mal auf Deine Anfangsfrage zurück zu kommen: Meine Jahre im Marketing und Vertrieb kommen mir hier sehr zu Gute. Gerade bei der Fotografie gibt es viele Künstler, die qualitativ sehr hochwertige Arbeiten anbieten, die aber das Objekt, die Räumlichkeiten und damit die angebotene Dienstleistung nicht verkaufen. Die Kombination aus Marketing und Vertrieb und der Fotografie ist aus meiner Erfahrung besonders erfolgreich.

 

RostockStartUps: In Zeiten von Flickr & Co wird der Fotografie (endlich) die Bedeutung zuteil, die sie schon immer verdient hatte. Das kann ich mir jedenfalls sehr gut vorstellen. Aber welche Leistungen bietest Du über das reine Fotografieren hinaus an?

Falk Mahlendorf und Alexander Rudolph (v.l.n.r.) Falk Mahlendorf und Alexander Rudolph (v.l.n.r.)

Alexander Rudolph: Fotografie ist klar. Mein Fokus liegt hier, wie bereits erwähnt, auf der Hotelfotografie. Gerade in unserem von Tourismus geprägten Bundesland ist es sehr wichtig, dass sich Hotels nach außen hin erfolgreich vermarkten. Die Zahl der Anbieter wächst, der Wettbewerb nimmt zu, der Druck auf die Hoteliers, sich stärker zu profilieren und die Unterschiede zueinander herauszustellen, wächst. Als Hotelier muss ich mir eine Zielgruppe herauspicken, ein individuelles Angebot schaffen und dieses klar nach außen kommunizieren. Das fängt mit anspruchsvollem Bildmaterial an. Dieses wird für Hausprospekte, die Speisekarten, die Internetseiten, Messeauftritte usw. benötigt. Dabei kommen mir meine Vertriebs- und Marketingerfahrungen wieder zu Gute. Der Blick für das "Gesamtbild" ist entscheidend. Eine einheitliche Bildsprache unterstreicht den hohen Anspruch an die eigene Dienstleistung der Häuser.

 

Darüber hinaus bin ich auch für andere Branchen tätig. So buchen Makler, Hausbaufirmen, Architekten und Einzelhandelsgeschäfte meine Leistungen.

 

Außerdem biete ich Schulungen an, allerdings beschränke ich mich auf so genanntes 1:1 Training. Statt Teilnehmer mit unterschiedlicher Motivation und Vorkenntnisstand über einen Kamm zu scheren und eventuell nicht jedem genug Aufmerksamkeit schenken zu können, konzentriere ich mich voll auf meinen Einzelkunden und schneidere das Training individuell auf sie oder ihn zu. Somit sichere ich schnelle und nachhaltige Fortschritte. Ich vermittle die Theorie der Bildentstehung in modernen Digitalkameras, die Benutzung des mitgebrachten Equipments, die Motivfindung und Bildgestaltung, helfe aber auch bei der Sichtung der auf gemeinsamen Fototouren entstandenen Fotos und der Bearbeitung der Aufnahmen.

 

RostockStartUps: Aus meinem Bekanntenkreis kenne ich mindestens zwei Personen, die auch fotografieren. Okay, sie wollen damit kein Geld verdienen, aber behaupten dass sie es gut machen. Nur durchgucken und abdrücken ist es ja nicht. Also was macht einen guten Fotografen aus? Oder anders formuliert: Was machst Du besser als die anderen?

 

Alexander Rudolph: Entgegen der landläufigen Meinung spielt die Technik eine untergeordnete Rolle. Natürlich benötigt man für unterschiedliche Einsatzzwecke geeignetes Equipment. Wichtiger ist jedoch das Auge des Fotografen, einen Blick für die Situation zu haben. In der Architekturfotografie beispielsweise die Essenz eines Raumes oder eines ganzen Gebäudes in einem einzigen Bild fest halten zu können, macht für mich den Profi aus.

 

Vor jedem Auftrag führe ich ein intensives Briefing mit dem Auftraggeber durch. Erst wenn ich genau weiß, was mein Gegenüber mit den Aufnahmen transportieren will, kann ich den Auftrag annehmen und eine Art Story Board für das Shooting erstellen.

 

Mit dem Wechsel von der Analog- zur Digitalfotografie müssen Aufnahmen, statt im Labor nun am Rechner nachbearbeitet werden. Diese Nachbearbeitung sollte nach meinem Dafürhalten jedoch im Rahmen bleiben und sich auf wesentliche Dinge wie das Anpassen von Kontrasten oder dem Ausgleich von Objektivfehlern reduzieren. Ich bin der Meinung, dass eine gute Aufnahme vor dem Drücken des Auslösers entsteht und nicht erst am Computer.

 

RostockStartUps: Was ich die ganze Zeit schon fragen will ist, was bedeutet denn nun Dein Firmenname DOMUSIMAGES?

 

Alexander Rudolph: Das lässt sich ganz schnell erklären. DOMUS ist Latein und steht für Haus, im weiteren Sinne auch Gebäude und IMAGES heißt Bilder, also Bilder von Häusern.

Falk Mahlendorf und Alexander Rudolph (v.l.n.r.) Falk Mahlendorf und Alexander Rudolph (v.l.n.r.)

RostockStartUps: Schon wieder Latein. Ist noch gar nicht solange her, da hatte ich auch über ein Unternehmen mit lateinischen Namen berichtet. Aber kommen wir zur allgemeinen Wirtschaftslage. Ich kann mir gut vorstellen, dass Hotels gewisse Leistungen wie z. B. Marketingmaßnahmen einsparen. Ob das vernünftig ist oder nicht, sei einmal dahin gestellt.

 

Alexander Rudolph: Ich bin da auch etwas überrascht. In meinem Business ist die allgemeine Krise eher nicht zu spüren. Das ist sicher so zu erklären: In Zeiten, wie wir sie jetzt durchleben, überlegt der Gast schon einmal mehr welches Hotel er sich für seinen z. B. wohlverdienten Urlaub aussucht. Da spielt die Differenzierung, die Schaffung eines klaren Profils und die Botschaft, dass man Qualität "lebt" für die Hoteliers eine immer wichtigere Rolle. Der Wettbewerb untereinander steigt, genauso wie die Qualitätsansprüche der Gäste. Und DAS bekomme ich zu "spüren" - die Nachfrage nach guten Aufnahmen steigt.

 

RostockStartUps: Das finde ich ja Klasse. Eine der wenigen Branchen, die eher unbeschadet durch die wirtschaftliche Flaute manövriert. Dann darf ich auch mit Dir über Deine Zukunft reden, ohne dass Du Dich auf die Füße getreten fühlst. Was hast Du mit DOMUSIMAGES noch vor?

 

Alexander Rudolph: Ich habe ja bereits erwähnt, dass in dem Bereich Hotelfotografie der Markt noch nicht intensiv bearbeitet wurde - gerade nicht durch einen örtlichen Anbieter. Deshalb ist es realistisch, wenn ich hier in M-V eine führende Position erreichen möchte.

 

Das geht natürlich nur mit einer stetigen Stärkung der Kompetenzen und einer Vergrößerung des Teams/Netzwerkes von statten. Bei entsprechender Auftragslage kann ich mir durchaus eine Erweiterung des Einzugsgebietes vorstellen. Aber eins nach dem anderen.

 

RostockStartUps: Da klingt ein bisschen Deine Erfahrung durch, oder? Das passt jetzt zur nächste Frage: Was brauchen aus Deiner Sicht Jungunternehmer?

Alexander Rudolph: Eine vernünftige Finanzierung, um ihre Vision umsetzen zu können - Punkt.

 

RostockStartUps: Okay, ich glaube da brauchen wir nicht weiter darauf eingehen. Die letzte Frage: Was heißt es für Dich Unternehmer zu sein?

 

Alexander Rudolph: Selbstständigkeit ist für mich die einzig mögliche Alternative einer beruflichen Tätigkeit. Ich hatte bisher noch nicht das Glück, mit einem Chef zusammen zu arbeiten, der einen kompromisslos gefordert und gefördert hat. Spätestens, wenn die Chance besteht, ihn zu überholen, ist Schluss.

 

Die einzige Möglichkeit für mich, meine Familie und meinen Beruf unter einen Hut zu bekommen, also eine Art Work - Life - Balance zu erreichen, schaffe ich nur in der Selbstständigkeit.

 

RostockStartUps: Insbesondere Deine letzten Sätze kann ich so unterschreiben. Das sehe ich genauso. Es hat mich sehr gefreut und ich hoffe natürlich, Dich auch ab und zu mal auf dem OpenCoffee Club Rostock antreffen zu können.

 

Alexander Rudolph: Falk, ich danke Dir auch und freue mich auf unser nächstes Gespräch.

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